Freitag, 29. Januar 2010

Beten

Vater unser – ein Gespräch mit Gott

Vater unser im Himmel ...

Ja?

Unterbrich mich nicht! Ich bete.

Aber du hast mich doch angesprochen!

Ich dich angesprochen? Äh ... eigentlich nicht. Das sagen wir halt so: Vater unser im Himmel.

Da, schon wieder! Du rufst mich an, um ein Gespräch zu beginnen, oder? Also, worum geht’s?

Geheiligt werde dein Name ...

Meinst du das ernst?

Was soll ich ernst meinen?

Ob du meinen Namen heiligen willst? Was stellst du dir denn überhaupt darunter vor: „heiligen“?

Es bedeutet ... es bedeutet ... meine Güte, ich weiß nicht, was es bedeutet! Woher soll ich das wissen!

Es heißt, daß du Respekt vor mir hast, daß ich dir wirklich wichtig bin, daß dir mein Name wertvoll ist.

Aha. Hm. Ja, das verstehe ich. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden ...

Willst du das wirklich?

Keine Ahnung. Ich gehe halt immer wieder mal in den Gottesdienst. Aber eigentlich weiß ich gar nicht, was du überhaupt willst.

Mein Sohn hat es euch gesagt: Ich will, daß dein Leben in Ordnung kommt, daß deine Angewohnheiten aufhören, mit denen du dir und anderen schadest, daß du nicht nur an dich selber denkst, sondern auch an die anderen; daß allen Menschen auf meiner Erde geholfen wird, auch deinem Lehrer, deinen Eltern, eurem Vermieter und dem, den du überhaupt nicht ausstehen kannst. Ich will, daß Kranke geheilt werden, daß Hungernde zu essen bekommen, Trauernde getröstet werden und Gefangene befreit werden. Was du für diese Leute tust, das tust du für mich.

Warum hältst du das ausgerechnet mir vor? Was kann ich denn dafür, wenn es Leuten hier schlecht geht, du hast doch diese Welt so gemacht wie sie ist, du läßt die Leute hungern, wenn du es nicht regnen läßt, du bist schuld, wenn nicht genügend wächst.

Entschuldige! Ich dachte, du betest wirklich darum, daß mein Reich kommt und mein Wille geschieht. Das fängt nämlich bei dem an, der darum bittet. Erst wenn du dasselbe willst wie ich, kannst du ein Botschafter meines Reiches sein.

Das leuchtet mir ein. Kann ich jetzt weiterbeten? Unser tägliches Brot gib uns heute ...

Hast du „uns“ gesagt? Wen meinst du denn damit? Dich und deine Familie oder deine Freunde? Willst du nur mehr Taschengeld für Chips oder geht es dir wirklich darum, daß jeder soviel zum Essen hat wie er braucht?

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern ...

Und Mirko?

Wie - Mirko? Was hat der damit zu tun? Daß das ein asozialer Schlägertyp ist, das weißt du nicht? Ich hab’ das noch nicht vergessen, wie er meinen besten Freund verprügelt hat, bloß weil er an ihm vorbeigegangen ist.

Doch, ich weiß, ich war dabei. Glaubst du nicht, es tut mir weh, wenn ihr euch etwas antut? Du weißt ja, mein Sohn ist an eurer Unmenschlichkeit gestorben. Überlaß den Mirko mir, du weißt ja gar nicht, was wirklich mit ihm los ist. Außerdem hast du ja selbst darum gebeten, daß du ihm verzeihen kannst.

Ich meinte es nicht so.

Du bist wenigstens ehrlich. Macht dir das eigentlich Spaß, mit soviel Frust und Wut im Bauch herumzulaufen?

Es macht mich krank.

Ich will dich heilen. Vergib Mirko, und ich vergebe dir. Vielleicht versteht dein Freund dann erst einmal die Welt nicht mehr, aber du gewinnst den Frieden – und dein Freund wird es von dir lernen.

Hm, ich weiß nicht, ob ich mich überwinden kann.

Ich helfe dir.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Nichts lieber als das! Meide bitte Personen und Situationen, durch die du versucht wirst.

Wie meinst du das?

Du kennst doch langsam deine schwachen Punkte. Deine Gleichgültigkeit, deine Aggressivität, deine Faulheit, daß du nie genug kriegen kannst und hinterher tut es dir leid. Gib dem Versucher keine Chance.

Ich glaube, das ist das schwierigste Vaterunser, das ich je gebetet habe. Aber es hat zum erstenmal etwas mit meinem Leben zu tun.

Schön, wir kommen vorwärts. Bete ruhig zu Ende.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Weißt du, was ich herrlich finde? Wenn Menschen wie du anfangen, mich ernst zu nehmen, wirklich mit mir zu reden. Wenn sie wieder intensiv leben und sehen wie glücklich sie dabei sind.

("Vielleicht schaffe ich das auch...")

Donnerstag, 28. Januar 2010

Beten



Heute ist der Gedenktag von Thomas von Aquin. Er hat ein Gebet geschrieben, das ich heute zum ersten Mal gehört habe.


Gebet vor dem Studium

Schöpfer des Alls, wahrer Quell des Lichtes und der Weisheit, erhabener Ursprung allen Seins, laß gnädig einen Strahl deiner Klarheit in das Dunkel meines Verstandes dringen und nimm von mir die zweifache Finsternis, in der ich geboren bin: die Sünde und die Unwissenheit.

Gib mir Scharfsinn zum Begreifen, gutes Gedächtnis zum Behalten, Fähigkeit zum rechten und gründlichen Erfassen, Feinheit und Genauigkeit im Erklären, Fülle und Anmut im Ausdruck.

Lehre den Anfang, lenke den Fortgang, hilf zur Vollendung, durch Christus, unsern Herrn.


Hl. Thomas von Aquin (1224/25 - 1274)



Heute ist mir wieder einmal deutlich geworden wie wichtig es ist, den Kontakt zu Gott nicht abreißen zu lassen.
Wie ich mich um einen Freund bemühe, mindestens so muss ich mich um die Freundschaft mit Gott bemühen.
Wenn ich glaube und mich zum Glauben bekenne ist es nur logisch sich Gott zuzuwenden und mit Ihm ins Gespräch zu kommen
Je mehr ich mich einlasse, um so mehr bekomme ich geschenkt. Eine Erfahrung die für mich Wirklichkeit ist.

Mittwoch, 27. Januar 2010

Ökumene auf der Lohnabrechnung


Nachdem ich heute, aufgrund eines Tarifwechsels, meine Gehaltsabrechnung geprüft habe fiel mir auf, dass ich als röm. Kath. Christin sowohl an die evangelische, als auch an die Katholische Kirche Kirchensteuer zahle. (Ich = verheiratet/ ich röm. Kath / mein Mann ev. +genau wie ich voll Berufstätig)
Wenn das kein Beitrag zur Ökumene ist!

Sonntag, 24. Januar 2010

Ökumene

Angeregt durch einen Artikel auf "am römsten"http://amroemsten.blogspot.com/2010/01/frage.html habe ich heute viel Zeit darauf verbracht noch mal mehr über die Ökumene nachzudenken.
Nicht zuletzt, weil ich mich entschieden habe zum Kirchentag nach München zu fahren.
Für mich ist klar das die kath. Kirche die Kirche ist, in der ich meine Glauben leben möchte. Sie ist für mich einzig und wahr.
Ausgehend von der Bibel und das, was mir als Laie bekannt ist, glaube ich, dass Gott eine Kirche wollte, dass wir eine Kirche sind, mit unterschiedlichen Gliedern.
Dennoch gab es gute Gründe dafür der Kath. Kirche zu zeigen, das sie auf dem Holzweg ist, so kam es dann auch zur Spaltung.
Ein Riss, der so leicht nicht zu beheben ist, da das mit der Wahrheit so eine Sache ist.
Was ist wahr? Wer sagt die Wahrheit? Wie viel menschliches ist in der Kirche und wie viele Menschen behaupten die Wahrheit zu kennen. (Die Wahrheit hat ein Lügner erfunden…)
Ich glaube das Gott die Macht gehabt hätte die Spaltung zu verhindern.
Ich glaube dass ER die Macht hat die Spaltung aufzuheben. Vielleicht aber sollen wir auch daran und dadurch lernen und wachsen.
Für mich steht im Vordergrund zu erkennen und zu leben was uns verbindet. Für mich steht weniger im Focus zu sehen was uns trennt.

Mittwoch, 20. Januar 2010

Erwartungen


Auf den Weg machen.... das steht bald an. Für mich zum ersten Mal. Ökumenischer Kirchentag.

Auch wenn ich Theologie studiere und Religion unterrichte, bin ich nicht der spirituelle Mensch. Ich bin der rationale Mensch. Mich darauf einzulassen, war nicht einfach. Entweder es passte nicht, oder ich wußte nicht wie. Daher mache ich hier wohl einen neue Erfahrung. Und daher mache ich mich auf den Weg! Ich freue mich darauf.....
Auf zum ÖKUMENISCHEN KIRCHENTAG!

Die Kölner A-capella Band Wise Guys haben das Leitwort des 2. Ökumenischen Kirchentages vertont.
Siehe:

http://www.oekt.de/fileadmin/dateien/phase2/mp3/OEKT-Song.mp3

Montag, 11. Januar 2010

Berufung - mal anders und doch eigentlich gleich.


Miep Gies ist tot.

Die 100jährige Niederländerin ist bekannt als die Helferin von Anne Frank. Sie half den Familien in ihrem Versteck während der Nazizeit in Amsterdam - selbstlos und selbstverständlich. Sie half, weil auch sie in ihrem Leben schon Hilfe erfahren hatte und sie es als normal empfand weiter zu geben, was sie erhalten hatte. Sie war berufen. Persönlich. Sie war eine von vielen die den Menschen damals half. Ihre Geschichte wurde bekannt durch das Tagebuch ihrer Freundin Anne Frank. Jeder das Tagebuch gelesen hat, sollte das Buch von Miep Gies lesen: "Meine Zeit mit Anne Frank". Ein beeindruckendes Werk über eine bekannte Geschichte aus der Perspektive der Helferin.

Bleibt zu hoffen, dass viele von uns heute sich auch berufen fühlen würden zu helfen.